Sonntag, 3. Mai 2015

Karneval St. Martin




In Marigot Bay auf der nördlichen und französischen Seite von St. Martin liegen wir vor Anker und warten auf ein passendes Wetterfenster. Hier in der Bucht liegen so viele Yachten wie das Auge reicht. Viele sind wie wir auf dem Absprung, entweder Richtung Osten nach Europa oder nach Norden. Morgens um 07.30 Uhr gibt's per Funkrunde den Wetterbericht und die News aus der Seglergemeinde. Es gibt sogar jeden Monat einen Seglerflohmarkt!

Schon sind Taucherbrillen, Flossen ... entsalzen und das Kajak tief im Schiffsbauch verstaut. Den Supermarché haben wir halb leer gekauft, um notfalls sogar direkt bis zu den Eisbergen segeln zu können.

Nebst den Vorbereitungen für den langen Schlag nach Norden  muss natürlich aber auch Zeit sein für einen Ausflug nach Philipsburg auf der niederländischen Seite der Insel. Da findet am 30. April gerade passend für uns der Karneval statt. Wir geniessen die Lebensfreude, die Inselschönheiten und noch einige Tage Hitze pur!








































Letzte Tage auf den Windward Islands



Von Antigua aus besuchten wir vier kleinere, eher abgelegene und teilweise unbekanntere Inseln. Nevis und St. Kitts bilden zusammen einen Staat, St. Eustatius oder heute kurz Statia genannt ist weiterhin niederländisch, St. Barth französich.

St. Kitts war einst erste und wichtigste Kolonie Englands, wurde später aber mehrmals zwischen Frankreich und England hin und her geschoben. Traurig und beschämend ist auch hier die Geschichte des Sklavenhandels. Das damals strategisch sehr wichtige und heute wieder fast komplett in Stand gesetzte Fort Brimstone Hill wurde zwar von den Engländern konzipiert, jedoch von Sklaven gebaut. Heute wird kaum mehr Zuckerrohr angebaut, die Felder überwuchern, wirtschaftlich macht sich St. Kitts hauptsächlich abhängig vom Tourismus. Wenn alle paar Tage ein Kreuzfahrtschiff im Hafen landet, dann wird die Hauptstadt Basseterre auch hier regelrecht überschwemmt mit Touristen. Auf den beiden Inseln St. Kitts und Nevis leben etwa 50 000 Einwohner.

Basseterre auf St. Kitts mit dem noch englisch angehauchten Clocktower
Charlestown auf Nevis, Hauptstrasse am Sonntag
St. Kitts, Brimstone Hill Fort
im Hintergrund Nevis
Nevis eine Insel wie im Bilderbuch
Nevis empfanden wir als noch ruhiger, die Hauptstadt Charlestown gleicht eher einem Fischerdorf. Sonntags eingetroffen, haben wir keine Menschenseele ausser dem Hafenmeister angetroffen. Die früheren Zuckerplantagen liegen auch hier still. Teilweise wurden die schönen Liegenschaften in gediegene Hotels umgebaut.




Shopping und Dining auf Nevis
















nach einer schwitzigen Velotour Aussicht auf Statia vom Brimstone Hill.
Statia war uns zuvor völlig unbekannt. Dabei hat diese kleine Insel eine grosse Geschichte, wenn auch heute im verschlafenen Oranjestad davon kaum mehr etwas spürbar ist. Doch im 17 Jh. war Statia DIE Handelsmetropole Westindiens und einer der wichtigsten Handelshäfen der Welt. Bis zu 300 Segelschiffe ankerten damals vor Oranjestad, wo Zucker, Tabak, Haushaltsgüter, Baumwolle, Waffen und – leider einmal mehr – Sklaven gehandelt wurden. Während sich die Engländer und Franzosen die Köpfe einschlugen; England krampfhaft versuchte, die amerikanischen Kolonien unter Kontrolle zu halten was dazu führte, dass hohe Zölle, Steuern und Handelsembargos die Wirtschaft der anderen Inseln belastete, agierte das niederländische Statia als neutral und profitierte als Umschlagplatz.

St. Barths ist auch heute noch französisch und dessen Charme zieht die reichen und scheinbar wichtigen Leute an. Uns haben insbesondere die schönen Ankerbuchten und der marine Nationalpark beeindruckt.
Meistens sind die Ankerbuchten allerdings voll mit Schiffen!
Wir genossen ruhige Tage mit vielen herrlichen Naturerlebnissen. Ob mit Safari Njema, Kayak Itiwitti,  Velos, zu Fuss oder mit Flossen unterwegs – überall begegneten wir der Natur pur: Das Meer ist wunderschön in den Farben und stets weht der Passatwind mit einer jolie brise und Tiere in ihrem freien Lebensraum beobachten zu können empfinden wir immer noch als grosses Geschenk. 

ursprünglich von Afrika als Haustiere importiert, heute meist freilebend Affen auf St. Kitts
Redbellied Racersnake - Wanderung auf den Statia Vulkan -  
zum Glück waren wir da mit Safari Njema unterwegs und nicht mit dem Kajak! Doch die zwei Humpback Whales haben in aller Ruhe weiter geplanscht und von dem kleinen vorbeifahrenden Segelboot gar keine Notiz genommen
seit langem wieder einmal Rückenwind - tolles Segeln unter dem Parasailor!
Es scheint fast, als ob uns die Karibik nicht gehen lassen will. Bereits haben wir ein bisschen Wehmutgefühle, denn schon bald geht's weit in den Norden hoch und die tägliche Baderei und der ewige Sommer hat vorübergehend ein Ende.

Sonntag, 19. April 2015

Segeln und Leben im Freilichtmuseum



English Harbour, Safari Njema unten links am Anker
Segeln und Reisen im karibischen Meer führt einem unweigerlich an die grossen alten Geschichtsplätze heran. Von Guadeloupe legen wir direkten Kurs auf English Harbour von Antigua, im 18. Jahrhundert wichtigster und idealer Ankerplatz der britischen Karibik Flotte. Die Bucht ist vor  Stürmen geschützt und von den umliegenden Felsen hinab gut gegen Feinde zu verteidigen. Nelson, späterer Sieger der legendären Seeschlacht von Trafalgar, diente hier drei Jahre lang als junger Offizier und späterer Kommandant des Flottenstützpunktes. Heute im sehr schön nachgebauten Freilichtmuseum Nelson’s Dockyard, dreht sich noch alles um Englands grossen Helden.
Auf dem Weg ins Immigration Office
Zeugen alter Zeiten
Nelson's Dockyard



Wir finden hier einen tollen Ankerplatz und geniessen die umliegenden Hügel für ausgedehnte Spaziergänge. Die Briten wählten damals Antigua nicht zuletzt wegen des Klimas für ihre Hauptniederlassung. Antigua ist viel flacher und trockener als die letzten von uns besuchten Inseln. Cool, eine Abwechslung nach all den Regenwäldern! :) 
der Küstenklassiker - Wanderung entlang der Klippen




Noch heute ist Antigua das Seglermekka. Zum 48. Mal findet die Antigua Classic Yacht Regatta statt und nächste Woche die Antigua Sailing Week mit den Regatten der modernen Schiffe.
Wir planen heute unseren Start so, dass wir die wunderschönen Yachten knapp vor Rennstart auf dem Wasser bewundern können. Die Ausstrahlung dieser eleganten Traditionsschiffe faszinieren schon am Steg stehend, auf dem Wasser sind sie einfach der Hammer!












... und allen voran: Safari Njema! ;)
Ein weiterer herrlicher Segeltag führt uns in eine einsame Bucht, die Deep Bay. Lange liegen wir hier als einziges Schiff vor Anker. Fast unglaublich, nach dem grossen Seglerzirkus an der Südküste von Antigua. In dieser Bucht beschnorcheln wir ein Frack, welches in der Mitte der Bucht nur knapp unter der Wasseroberfläche liegt. 1905 war die 3 Mast Stahlbarke auf dem Weg von Trinidad nach Peru, beladen mit Pech. Auf Höhe von Antigua bemerkte die Crew verdächtige Rauchentwicklung. Wegen der gefährlichen Fracht wurde die Barke nicht in den etwas nördlich gelegenen Hafen St. John eingelassen, weshalb das Schiff in der Deep Bay vor Anker ging. Als die Mannschaft sich dem Problem stellen wollte und den Frachtraum öffnete löste der Luftzug ein Grossfeuer aus und das hölzerne Deck verbrannte und brachte die „Andes“ zum sinken. Das Frack ist noch heute gut in der Schiffform erkennbar und schön bewachsen mit Korallen und viele Fische und Schildkröten tummeln sich hier.

Deep Bay Antigua
Wasserrate
Und morgens geht’s schon wieder ein Insel weiter nach Nevis. Bei Sonnenuntergang konnten wir am Horizont schon den Schatten erkennen.
Autonummernschild