Samstag, 28. Mai 2016

Aus dem Logbuch

UTC 1500 h
N 34° 40,33
W 51° 56,14
Kurs Ost mit 4 K Speed bei 7 K Wind von Nordwest.
Wir sind seit 6mal 24 Stunden unterwegs. Die Azoren 1034 Seemeilen entfernt.

Für Sonntag, unseren Starttag war viel Regen angesagt, was unsere ohnehin gespannte Stimmung dämpft. Schon am ersten Tag im schönen Bermuda verp. zu werden - gar keine tolle Aussicht! Doch es soll anders kommen .

Den Samstag sind wir zügig angegangen, Safari Njema steht mit frischem Wasser und Diesel vollgetankt an der Hafenmauer von St. George. Als alles erledigt ist, unternehmen wir nochmals unseren Lieblingsspaziergang in die Tobacco Bay und geniessen ein letztes Bad in diesem phenomenal schönen Wasser, verabschieden uns innig vom karibischen Meer und dem Bermuda Dreieck.

Für die letzte Nacht leisten wir uns einen gemütlichen Stegplatz, so können wir unser Dinghy entsalzen und trocken versorgen, den Ankerkasten zukleben und abends nach dem letzten Ausgang bequem von der Hafenmauer aus in die Koje steigen, denn wir haben noch Besonderes vor ..

Maja und ihre Familie lernten wir vor einem Jahr, just bei unserer Abfahrt von Bermuda zur US-Küste kennen. Maja ist Schweizerin und die Familie lebt seit 16 Jahren auf Bermuda. Noch beim Abschied versprachen wir uns beim nächsten Besuch auf Bermuda wieder zu melden und hier also sind wir wieder. Zu Maja durften wir Dokumente des Schweizerischen Schifffahrtsamtes senden lassen und für den letzten, im Lager-Jargon "Bunten" Abend sind wir bei ihnen zum Grillabend eingeladen. Wir verbringen einen gemütlichen und angeregten Abend bei feinem Schmaus im schweizerdeutsch-englisch Mix mit Radio DRS Hintergrundmusik. Unser Eindruck von dieser wunderschönen Insel wird nochmals bestätigt und wir hören über das Alltagsleben im nicht nur pastellfarbenen Bermuda. Die Kinder von Maja und Charles, respektive jungen Erwachsenen Adriana und Thomas sind leidenschaftliche Regattasegler und starten international für Bermuda. Auch mit der Familienyacht ist die Familie in den Gewässern Bermudas unterwegs - eine schönere Kulisse gibt's ja gar nicht!

Obwohl in der Nacht schon Regenschauer niedergingen stehen wir morgens zeitig bei überraschend freundlichem Wetter auf, klarieren um 8 Uhr im Immigrationsbüro um die Ecke aus. Bei Sonnenschein nun Leinen los, Fender versorgen und die Bermuda Radio Station über unser Ausfahrt, Ziel und erwartete Ankunft in den Azoren informieren - dann Bye, Bye Bermuda!

Wie beim Start werden wir auch in den nächsten 60 Stunden geschont von Regenschauern ganz entgegen den Prognosen! Das freut uns riesig und wir geniessen jede trockene Stunde und den schönen, starken Wind während den ersten 3 Tagen. Wie üblich kommt alles andere ausser Segeln in diesen ersten Tagen und erst recht bei diesen Wind- und Wellenbedingungen zu kurz. Es ist streng. Dafür machen wir ordentlich Strecke und fahren vorerst nordöstlicher als die direkte Linie, um einer Flauten Zone auszuweichen.

So haben wir nach den ersten 3 Tagen auch gar nichts dagegen, als der Wind abflaut und wir nun 3 Leichtwind Tage kassieren. Klar, unsere Tagesstrecken werden kürzer, dafür steigt der Komfort an Bord. Endlich wieder Aufrechtstehen im Schiff ohne sich unentwegt festhalten zu müssen. Die Luft wird endlich trockener und wir können im Cockpit das viel gefangene Salz entfernen, Duschen und mal richtig mit Kochen und Essen beginnen - leckere Salate, selbstgemachte Lasagne, Rösti . Podcasts hören und lesen. Wir sind eingeschaukelt. Leider kriegen wir nicht viel Abwechslung - bisher zeigten sich nur zwei Delfine, zwischendurch Seevögel und haufenweise Quallen der giftigen Sorte Portugiesische Galeeren.

Mit unserem Wetterrouter Chris Parker stehen wir täglich in Verbindung. Er beginnt uns nach 3 Tagen nach Südost zu leiten. Das ergibt auf der Karte also eine Schlangenlinie - mpf, vorerst nicht gerade erfreuchlich, doch die Empfehlung scheint zunehmend zu bestätigen, dass sich ein Sturmtief von der kanadischen Küste nähert und unseren Weg zu den Azoren etwa Sonntag bis Dienstag kreuzen wird.

So wird es ab morgen wohl ruppig. Dank dem gefahrenen Umweg nach Südosten werden wir uns aber zum Glück nur am Rand des Tiefs befinden und uns mit machbaren Windstärken bis maximal 30 Knoten beschäftigen müssen - hoffentlich nicht mehr. Also schreib ich den Blog noch heute, geniessen wir am Nachmittag nochmals eine Decksdusche und freuen uns schon aufs Nachtessen: Schinkensteak, Kartoffelstock und frische Bermuda Bohnen, ab Morgen wird das Sitzen am Computer, das Liegen im Bett und das Stehen in der Küche wieder nervig unangenehm.

Sonntag, 22. Mai 2016

Start Transatlantik Bermuda - Azoren


Wir ziehen los - Die Winde sollen gut für uns sein, allerdings viel Regen für die ersten Tage. Wir schauen, was kommt. Viele Grüsse vom Atlantik!

Montag, 16. Mai 2016

Bermuda – eine unserer Lieblingsinseln


In St. George und Umgebung freuen wir uns wieder ab den wunderschönen Farben und den freundlichen Menschen Bermudas, welche uns Segler so herzlich willkommen heissen. Hier ist es noch immer so, die meisten Besucher reisen per Schiff an. Wir geniessen lange Spaziergänge über die sanften Hügel und shoppen im hübschen Städtchen St. George und Hamilton.

Aussicht auf das Zoll- und Immigrationsgebäude -

Jugendsport






In St. George findet alle paar Tage das Strassen Theater statt: eine öffentliche Bestrafung wie im 18. Jahrhundert, sehr humorvoll vorgetragen.  Als Strafe für das Verbreiten von Gerüchte und das Ärgern des Ehemannes, muss sich diese Frau auf den Sitz des Gigampfis hocken. Vier Männer aus dem Publikum werden vom Richter als Gegengewicht  angeheuert und dann auf Kommando angeleitet, die Schaukel zu entlasten und die arme Frau wird im Hafenbecken dünkled. Und wer zu sehr lacht, kommt als nächstes dran …




Mit der Weiterreise pressiert uns eigentlich noch gar nicht und doch schielen wir schon wieder auf die Wetterprognosen und blicken gen Osten …

Sonntag, 15. Mai 2016

Bilder von der Ueberfahrt Bahamas - Bermuda

Adieu Marsh Harbour und Bahamas

1. blinder Passagier

HHL Missisippi kreuzt unseren Weg und weicht nach unserem Funkruf freundlicherweise  aus

auf unserem Plotter können wir die Daten der umliegenden Berufsschiffe ansehen - kommen sie uns gefährlich nahe? Müssen wir ausweichen?

3 Tage und Nächte war er mit uns auf dem Weg nach Bermuda, bevor er uns mitten in der Nacht verlor.

Begegnung mitten auf dem Ozean - Taipan nach der Dieselübergabe
und jeden Abend schöne Sonnenuntergänge ...


Flaute im Bermuda Dreieck

Den Leuchtturm hatten wir die ganze Nacht schon als Leitlicht ...

nun endlich sehen wir in schöner Morgenstimmung Bermuda und die Einfahrt nach St. George


Town Cut - enge Einfahrt nach St. George

Donnerstag, 12. Mai 2016

im Bermuda Dreieck

N 31° 49,53
W 65° 49,51
Kurs 72°, Wind N 5 kts,
Log 718 sm
7 Tage unterwegs


Es ist still in diesen Tagen auf dem Atlantik. Nur ein leiser Zug geht und eine sanfte Dünung lässt das Schiff kaum schaukeln. So war es in den letzten 3 Tagen sehr oft und leider viel zu oft mussten wir die Maschine anschmeissen, um überhaupt Weg gut zu machen.

Die mit "fantastic sail!" prognostizierte Vorhersage unseres Wetterrouters hat sich nicht ganz so bestätigt. Zwar hatten wir die ersten vier Tage durchaus angenehmen Wind, der uns im Mittel zwischen Komfort und Schnelligkeit voranbrachte, doch gleichzeitig bremste uns ein Gegenstrom von 1 - 2 Knoten, das sind bis zu 40% von Safari Njemas Geschwindigkeit (!), und liess uns viel langsamer vorankommen als üblich. Für die zweite Hälfte der Passage hatten wir zwar leichte Winde erwartet, gingen jedoch davon aus, dass bis dahin schon weit mehr als 50% Weg gesegelt sind. Tja - falsch gedacht - mehr als die Hälfte des Weges lag noch vor uns, als das Bermuda Hoch sich stabilisierte und die grosse Zone mit "no wind from nowhere" brachte. Ergo mussten wir uns bald Gedanken über unseren Dieselvorrat machen. Rund 100 Stunden oder umgerechnet 300 Seemeilen oder 440 km bringen wir Safari Njema unter Motor voran. Dies ist noch abhängig vom Seegang und natürlich Strömungen, die diese Reichweite stark beeinflussen.

In dieser verzwickten Situation ist es gut Kameradschaft zu haben. Mit der australischen Taipan und der britischen Hunda sind wir zu dieser Passage aufgebrochen. Beide Paare sind alte erfahrene Salzbuckel, seit 15 und 23 Jahren mit ihren Schiffen auf den Weltmeeren unterwegs. Mit ihnen vereinbarten wir tägliche Funkrunden, wo wir die Position und das allgemeine Wohlbefinden austauschen. Es tut gut, bestätigt zu bekommen, dass auch sie den Gegenstrom spüren (kein Bermuda Dreieck Hirngespinst unsererseits also), dass auch sie die Wetterprognose optimistischer eingeschätzt haben und sich auch ein Beispiel zu nehmen an ihrer Geduld mit den vorliegenden Umständen.
Taipan hat einen Dieselvorrat für die Gesamtstrecke, Hunda knapp gleich viel Treibstoff wie wir. Beide Schiffe sind 2 und 4 Meter länger als Safari Njema, d. h. eigentlich bedingt durch die Länge schneller, aber auch schwerer, was vermehrt Einfluss bei leichtem Wind hat. Beide Schiffe haben mindestens 40 cm mehr Tiefgang als Safari Njema, was ihnen bei unserem Startpunkt in Marsch Harbour einen Streich spielte. Als noch Flut herrschte beim Starthafen, war das Unwetter noch nicht ganz abgezogen. Auch wir mussten zwei Stunden mit dem Start warten und den Wind etwas abflauen lassen, konnten dann aber bei bester Brise starten. Zu diesem Zeitpunkt war das Wasser allerdings schon wieder gesunken und Hunda und Taipan blieben wegen Grundberührung im Hafen feststecken. Also mussten sie rund 10 Stunden bis zur nächsten Flut warten und verpassten damit eigentlich den besten Windtag der Passage.

Die 16m lange Taipan holte uns nach etwa 36 Stunden ein. Da ihr Rumpf stark bewachsen ist, kann auch sie zurzeit nicht ihre volle Geschwindigkeit erbringen und so segelten wir rund 30 Stunden in Sichtweite nebeneinander her. Dave und Kris boten uns an, von ihrem Diesel zu leihen, um uns mehr Flexibilität für Motorstrecke zu verschaffen. Wir nahmen das Angebot einerseits dankbar, andererseits zähneknirschend an, denn es ist nun mal nicht unsere Vorstellung vom Segeln, über solch lange Strecken zu motoren. Dies brachte uns eine neue Erfahrung auf See:

Es ist sehr heikel, sich einander auf See zu nähern. Kommen sich die beiden Segelschiffe zu nah, verhedern sich wegen Wellen und Dünung leicht die Riggs ineinander, was zu massiven Schäden führen kann. Übrigens haben solche Vorkommnisse in den alten Seeschlachten mit über den Ausgang des Kampfes entschieden.
Wir warteten deshalb für die Übergabe die erste Vollflaute und die Beruhigung der Wellen ab. In Schleichfahrt nähern wir uns Taipan von hinten und schliessen bis auf knapp 10 Meter Abstand auf gleiche Höhe auf, also gerade so schnell, dass mit dem Steuerrad genug Einwirkung bleibt und gleichzeitig innert Sekunden das Schiff abgebremst werden kann. Unsere 14 und wohl etwa 18 Meter hohen Masten pendelten unkontrollierbar hin und her. Dave wirft die rund 30 Meter lange leichte Leine, woran die drei Dieselkanister befestigt sind. Die Wurfleine verpasst knapp das Ziel. Schnell reagiert Sven mit Bootshaken und kann sie gerade noch fischen, bevor wir an der Schwimmleine vorbei sind und ich stoppe sofort das Boot. Unter Fahrt wäre es nicht möglich, die schweren Dieselkanister von der Taipan herüber zu ziehen und aufs Boot zu hieven. Nun muss es also schnell gehen - Safari Njema stoppen, Leine anziehen und Taipan muss ihrerseits schleunigst die Kanister zu Wasser lassen und sich von uns frei und davon machen. Alles gut geglückt, aber zum Winken und einen Schwatz halten bleiben wir nur kurz in Rufnähe. Es ist schön nach 3 Tagen zwei gute Menschenseelen zu sehen!

Begleitung ganz anderer Art genossen wir während den ersten Tagen - Blinde Passagiere. Vom vorausgegangenen Unwetter wurden wohl viele kleine Vögel ins Meer vertrieben. Im Unterschied zu den Seevögeln, können sie weder schwimmen, Nahrung finden noch sind sie sich gewohnt die langen Strecken zu fliegen (ausser die Zugvögel natürlich). So treffen noch am ersten Tag zwei kleine Strandläufer und ein Grünfink oder Meise bei uns ein. Alle drei haben Mühe, in den Segel Abwinden auf dem Schiff sicher zu landen. Vor Erschöpfung setzen sie sich nur noch hin, zeigen kaum Scheu vor uns, bewegen sich die ersten Stunden kaum. Wir versuchen sie zu füttern, bieten Wasser an. Die Strandläufer verschmähen dies, sie möchten doch lebende kleine Insekten oder Müscheli. Der Grünling wirkt lebendiger, er hüpft bald allen Leinen und der Reling entlang auf der Suche nach Mücken oder Käfern. Davon haben wir auf See leider wenig zu bieten, doch wenigstens gibt er sich mit Apfel und Brösel vom Marmor Cake ab. Wir freuen uns an den drei blinden Passagieren und hoffen sie aufpäppeln zu können.
Nach einigen Stunden wollen die Strandläufer anderswo ihr Glück versuchen - sie fliegen auf und davon. Der eine kommt später erneut und noch mehr erschöpft zurück. Über Nacht lässt er sich neben unsere Navigationsgeräte setzen, stirbt dann aber leider im Morgengrauen.
Der Grünling wirkt kräftiger und neugierig. Noch tagsüber erkundet er das Innere des Schiffes und sucht sich auf der Wäscheleine in der vorderen Koje einen windstillen und geschützten Nachtplatz. Gut so, denn in dieser Nacht haben wir zwei Schauerfronten, die mit 25 Knoten Wind vorüberziehen und von uns entsprechend rasches Handeln verlangen. Leider entscheidet sich der Piepmatz in den folgenden Nächten für einen Schlafplatz an Deck. In der dritten Nacht wird er von einem Knall im Grosssegel aufgeschreckt und fliegt in Panik davon. Obwohl wir die ganze Nacht die Decksleuchte brennen liessen, hat er uns nicht mehr gefunden. Traurig darüber segeln wir ohne unseren Piepmatz weiter, den wir doch so gerne nach Bermuda gebracht hätten. Eine kleine Schwalbe tröstet uns. Ihr können wir in der folgenden Nacht eine Ruhepause auf ihrem langen Weg in den nordischen Sommer anbieten. Sie ist ein Zugvogel und wird ihren Weg bestimmt finden.

So vergehen die Tage auf See mehr oder weniger ereignislos. Für uns beide sind die langen Passagen immer noch mehr "Weg zum Ziel" als "der Weg ist das Ziel". Schlaf- und Bewegungsmangel lassen uns bald zappelig und ungeduldig auf die Ankunft werden. Zwischendurch geniessen wir durchaus die schönen Sternennächte, Sonnen und Mond Auf- und Untergänge, das wunderschöne blau des Ozeans, das leise plätschern des Wassers, die Unendlichkeit . Podcasts und Musik hören und Bücher lesen verkürzen uns die Wachen. Die Düfte aus der Küche riechen hier so intensiv und fein, dass unsere Hauptmahlzeit immer ein Höhepunkt des Tages ist. Bei diesen ruhigen Seeverhältnissen lässt es sich relativ gut kochen und der Zubereitung von ganzen Menues steht nichts im Weg. Salate, Rösti und Spiegelei, Couscous, Kartoffelgratin, Rüebli und Schinkensteaks, Risotto .

Morgen Freitag, werden wir bei Tageslicht in St. George auf Bermuda einlaufen. Nach mehreren Monaten wieder einmal ein bekannter Hafen! Ein gutes Gefühl und wir können's kaum erwarten! Land schon fast in Sicht und die dritte Passage durch das knifflige Bermuda Dreieck geschafft!

Donnerstag, 5. Mai 2016

Erster Teil Transatlantik nach Bermuda


Nun geht's los - Für den ersten Teil der Atlantiküberquerung scheinen wir angenehmen Wind und stabiles Wetter zu kriegen. Wir sind uns mit Chris Parker, unserem engagierten Wetterfrosch einig, die Vorhersage gut aus: looks like a fantastic sail! Mal sehen, wie das wird, doch auf jeden Fall gibt diese Aussicht ein gutes Gefühl um zu starten.

Alle Tanks sind aufgefüllt und alles wellensicher verstaut. Mit schwerem Herzen haben wir auch schon unsere Bade- und Schnorchelsachen mit Süsswasser gespült und in der Fun Box verstaut. Ja, ja, die Heimreise hat begonnen. Gleichzeitig freuen wir uns auf das hübsche Bermuda und good old Europe!

Ab jetzt sind wir unterwegs nach Bermuda - 740 sm oder 1190 km Ozean liegen vor uns. Wir segeln zu dritt mit den australischen Seglern Dave und Kris von Tai Pan und den Engländern Duncan und Dorothy von Hunda. Täglich versuchen wir unsere Position zu aktualisieren, vorausgesetzt die Technik spielt mit.

Samstag, 23. April 2016

Schwimmen mit den Schweinen und andere Begegnungen in den Bahamas ...


Von Ankerbucht zu Ankerbucht schlängeln wir uns den Exumas Inseln entlang nordwärts. Das Wasser bleibt fantastisch klar und die Farben sind einfach genial! Westlich der Exumas erstreckt sich die Great Bahamas Bank – ein sehr seichtes Gewässer, eigentlich eine riesige Sandbank, selten tiefer als 10 Meter und oft gerade nur so Tief dass wir mit Safari Njema knapp darüber hinweg gleiten können. Die Winde sind uns seit Wochen gut gestimmt und wir geniessen das Segeln durch das türkisene Wasser ohne Wellen, wo der Meeresgrund fast immer sichtbar ist. Allerdings heisst es auf ein paar Strecken auch Ausschau halten, damit Safari Njemas Kiel nicht die einzelnen Korallenköpfe tuschiert – was eine ziemlich deftige Schockbremse mit entsprechenden Schäden zur Folge hätte. Doch die Korallenköpfe sind meist so klar auszumachen wie Stoppschilder auf der Strasse.






Die Bahamas mit den einsamen Inseln und dem kristallklaren Wasser gefallen uns super. Wir schnorcheln oft mit der Tidenströmung, heisst mit bis zum 8 km/h über das Wasser gleiten, natürlich immer gesichert am Dinghi angebunden. Das wirkt auf den Langsam-Schwimmer Mensch unglaublich schnell! Der Meeresgrund befindet sich lokal wie in einem Sandsturm - die Weichkorallen rauschen in der Strömung. Bei dieser Geschwindigkeit überholen wir sogar einen gemächlich dahin schwimmenden Hai und begegnen einer ganzen Barracuda Schule! Die warten alle auf Futter, welches von der starken Strömung angeschwemmt wird, doch lassen uns schön an ihnen vorbeiziehen. Ein super Erlebnis!
  
Hai unter Safari Njema 



Ein anderes Mal fahren wir mit dem Dinghi zu einer Höhle wo ein 007 Film gedreht wurde: Thunderbol Grotto. Nur bei Slackwater, als bei Ebbe Tiefst Stand, kann man in die Höhle schwimmen, vor oder danach ist die Strömung zu stark um dagegen an schwimmen zu können. Wir treffen diese Situation auf morgens um 7.00 Uhr an, Selbst jetzt ist die Strömung schon ziemlich starkt, doch wir können unter den Felsen durch und in die Höhle schwimmen. Viele bunte Fische tummeln sich hier und das Licht, welches durch ein Oblicht einfällt ist einfach toll! Gerade bevor wir wieder die Höhle wieder verlassen wollen, entdeckt Sven einen schlafenden Hai auf dem Grund. Gut ist dieser ein Langschläfer und hoffentlich kein Morgenmuffel! Schnell verlassen wir nun die Höhle ohne ihn aufzuwecken. Nur etwa 10 Minuten später ist an ein erneutes Hineinschwimmen nicht mehr zu denken. Die Strömung spült so stark durch die Höhle und das Wasser beginnt bereits wieder zu steigen.


Doch was wir vermissen, sind die Bewohner! Rund 350 000 Bahamians leben auf diesen Inseln, davon rund 250 000 Menschen in Nassau auf der Insel New Providence. Also ist es nicht verwunderlich, dass wir nach mehr als 5 Wochen noch mit kaum mehr als 20 Einheimischen Kontakt hatten. Das finden wir schade, denn wir unterhalten uns ja immer gerne mit den Menschen vor Ort und diese Begegnung fehlt uns im Gesamterlebnis Bahamas. Entsprechend leben wir auch fast ausschliesslich von den Vorräten aus dem Schiffsbauch, den seit George Town und dem kleinen Dorf Black Point trafen wir noch nicht mal einen kleinen Kiosk oder eine Strandbar mehr an.  Gleichzeitig ziehen wir an verschiedenen privaten Inseln vorbei, von denen wir nur zum Teil die Besitzer kennen wie Jonny Depp (Inselkaufpreis im 2004  3,6 Mil.),  Familie Bertarelli, David Copperfield …
Bell Island - Private Insel mit ...
Wasserflugzeug und allem erdenklichen Luxus
Pig Beach

Eine Kuriosität treffen wir am Pig Beach an. Seit zig Jahren leben hier halbwilde Schweine. Wie sie auf die unbewohnte Insel gelangten ist unklar. Entweder konnten sie sich von einem aufgelaufenen Frachter, ein solches Frack liegt unweit auf dem Riff, selbst zur Insel retten oder sie wurden von frühen Entdeckungsfahreren als Proviant für nachkommende Schiffe ausgesetzt. Jedenfalls leben sie hier ungestört auf der kargen Insel. Unter Seglern hat sich diese Kuriosität herumgesprochen und inzwischen sind die Schweine von Staniel Cay VIPs. Die Schweine freuen sich nämlich sehr, wenn sich ein Boot nähert und ihnen allerlei Futter oder einfach Frischwasser bringt. Sie sind eigentlich recht zahm, können allerdings auch etwas ungestüm sein, schwimmen zu den Booten raus und versuchen auch schon mal ein Gummiboot zu entern. Also aufgepasst! Selbstverständlich suchen auch wir von unserem schwindenden Frischproviant ein paar Rüebli und die Rüstabfälle heraus und bringen sie zum Schweine Strand. Allerdings trauen wir den Piggies dann doch nicht so ganz und ich werfe nur kurz das Futter in den Sand und renn-wate verfolgt von Schweinen zurück zum Dinghi.



Kokosnuss pflücken auf der verlassenen Lee Docking Island



Als Mitglieder des Cruising Club Schweiz CCS tragen wir auf unserer Schweizerflagge am Heck das goldfarbene Clubzeichen. Erneut erweckt unsere Flagge deshalb Interesse von einer Segelyacht unter kanadischer Flagge.  Es ist ein Charter Schiff und die mietende Crew ist von der Genfer Sektion des CCS. Als wir uns an einem zweiten Abend wieder in einer Ankerbucht treffen, werden wir von Capitain Christian und seiner Crew zum Apéro eingeladen und geniessen einen lustigen bilingual Abend unter Schweizern. Natürlich darf bei den  Welschschweizern der gute Weisswein nicht fehlen und wir geniessen seit langem wieder einen solch feinen Tropfen! Die Crew  verbringt zwei Wochen Ferien in den Bahamas und leider endet ihr Törn schon in zwei Tagen wieder in Nassau. Zum Abschied beschenken sie uns grosszügig aus ihrem Restvorrat – darunter Wein und 2 Tafeln Cailler Schokolade! Hemmu uf Aerde! Vielen Dank! Noch sind ein paar Täfeli übrig …
auf dem höchsten Gipfel der Exumas: 34 m über Meer




Beim Emerald Rock treffen wir uns nach Monaten wieder mit SY Greta May. Die Engländer Dave und Jane lernten wir im September 2015 auf der Werft in Deltaville USA kennen, wo wir wochenlang an unseren Booten arbeiteten.



Eigentlich wollten wir gemeinsam zu den Virgin Islands segeln, doch Greta May kehrte noch am ersten Tag wegen einem Maschinen Defekt zur Küste zurück. Nun ist die Freude am Wiedersehen gross und wir verbringen humorvolle Tage mit Karten spielen, schnorcheln, Insel entdecken, plaudern und segeln. So entstehen auch die folgenden Fotos von Safari Njema in Fahrt unter vollen Segeln.








Greta May will wie wir im Mai über den Atlantik segeln und via Azoren nach England zurückfahren.


Land & Sea Park Warderick Well



Zusammen segeln wir Insel hüpfend nach Nassau, wo sich unsere Wege vorübergehend trennen. In der schönen Resort Marina Palm Cay machen wir uns zielstrebig für die weitere Fahrt bereit. Waschen, tanken, putzen und mit dem frei zur Verfügung stehenden Auto den nächsten Grosseinkauf für die kommenden Tage bis Wochen erledigen. 

Palm Cay Marina & Resort

Natürlich darf auch ein Drink an der Strandbar in diesem hübschen Ambiente nicht fehlen und weil alles so schnell und effizient erledigt ist, packen wir unsere Velos hervor und radeln um die Insel in die Hauptstadt Nassau. Hier geht’s gschäftig zu und her und drei riesige Kreuzfahrtschiffe stehen im Hafen. Entsprechend ist die Stadt gerade mit rund 9000 Tagesgästen geflutet! Für Nassau ist dies Alltag und der Tourismus eine der Haupteinnahme Quelle des Landes. Wir beobachten das unterhaltsame Treiben amüsiert und geniessen dazu die Lokalspezialität Conch Fritters - frittierte Lambi-Muscheln und seit Ewigkeiten wiedermal ein Ice Cream!

Endlich wiedermal Velofahren! Auf dem Weg nach Nassau



Für die nächsten Tage wird nur ein einziger Tag mit Ost bis Ostsüdost Wind vorhergesagt, danach mehrere Tage Flaute oder Nordost Wind. Also wollen wir uns diesen Wind nicht entgehen lassen und verlassen Nassau nach nur zwei Nächten, auch wenn dies bedeutet, dass wir Safari Njema 45 sm hart am Wind durch die Wellen jagen müssen – kein wirkliches Vergnügen, doch besser als 10 Stunden unter Maschine langweilig dahin tuckern zu müssen. Wir erreichen nach 9.5 Stunden die Royal Island bei Eleuthera durchgeschüttelt, eingesalzen und müde vom anstrengenden Segeln.


Ab nun ist alles vom Wetter abhängig, ob wir noch weiter nach Norden zu den Abaco Islands segeln oder zur nächsten grossen Passage nach Bermuda starten. Safari Njema, Sven und ich sind bereit für die grosse Fahrt.